Alpa Gun spricht Klartext – Darum hat er nie bei Aggro Berlin gesignt
Mitte der 2000er-Jahre führte im Deutschrap kaum ein Weg an der Hauptstadt vorbei – das Berliner Kult-Label Aggro Berlin dominierte die Szene und prägte eine ganze Generation. Mittendrin im Dunstkreis...

Alpa Gun verrät im Interview, warum er trotz enger Bindung nie bei Aggro Berlin unterschrieb. Ein zu geringer Vorschuss und der Rat von Sido ließen den Deal platzen, weshalb er stattdessen über Sektenmuzik veröffentlichte. So entging er finanziellen Enttäuschungen.
Mitte der 2000er-Jahre führte im Deutschrap kaum ein Weg an der Hauptstadt vorbei – das Berliner Kult-Label Aggro Berlin dominierte die Szene und prägte eine ganze Generation. Mittendrin im Dunstkreis um Aushängeschild Sido stand damals auch Alpa Gun. Mit seiner rauen West-Berliner Attitüde war der Rapper ein unverzichtbarer Teil der Crew. Doch obwohl viele Hip-Hop-Fans ihn fest mit dem Sägeblatt-Logo verknüpften, kam es hinter den Kulissen nie zu einer offiziellen Unterschrift. In einem aktuellen Interview im Format „Deutschrap Plus“ blickt Alpa Gun auf diese prägende Ära zurück und spricht schonungslos offen darüber, warum ein Signing letztlich platzte.
Zu geringer Vorschuss: Warum der Aggro-Deal scheiterte
Dass Alpa Gun damals kurz vor einem Vertrag bei Aggro Berlin stand, war keineswegs ein Gerücht. Wie der Rapper klarstellt, lag ihm tatsächlich ein konkretes Angebot der Labelbosse vor. Der Haken an der Sache war allerdings das Finanzielle: Die gebotene Vertragssumme war schlichtweg zu niedrig. Das Angebot fiel derart mager aus, dass sogar Sido intervenierte. Der Maskenmann war mit den Konditionen für seinen engen Wegbegleiter „nicht einverstanden“ und riet von einer Unterschrift ab.
Statt sich unter Wert an das damalige Vorzeige-Label zu binden, wählten Sido und Alpa Gun einen alternativen Weg. Sie sicherten sich kurzerhand einen kleinen Vorschuss von einem Verlag und brachten Alpa stattdessen über das bandeigene Untergrund-Label Sektenmuzik an den Start. Auf diese Weise umgingen sie die unbefriedigenden Konditionen der Aggro-Etage und behielten die Fäden selbst in der Hand.
Kein Geld für „Aggro Ansage Nr. 5“ – aber Loyalität von Sido
Besonders ernüchternd fiel für Alpa Gun der finanzielle Rückblick auf musikalische Meilensteine aus. Auf dem legendären Sampler „Aggro Ansage Nr. 5“ aus dem Jahr 2005 war Alpa prominent vertreten: Er lieferte mit „Alpa für Westberlin“ einen Solo-Track ab und war zudem auf dem Posse-Track „A.G.G.R.O Teil 5“ zu hören. Trotz des riesigen kommerziellen Erfolgs der Veröffentlichung habe er für seine Beiträge keinen einzigen Cent direkt gesehen.
Ob über die GEMA bis heute Tantiemen für ihn verbucht werden, könne er aus dem Kopf nicht genau sagen. Groll gegenüber Sido hegt Alpa deswegen allerdings keinen. Wenn er damals mit dem Star als Backup-Rapper auf Tour und bei Gigs unterwegs war, sei er stets fair bezahlt worden. „Da will ich sein Haq nicht essen“, stellt Alpa klar und betont damit den geschäftlichen Respekt, den Sido ihm auf persönlicher Ebene entgegenbrachte.
Abstand zu den Label-Bossen schützte vor bösem Blut
Rückblickend betrachtet bewertet Alpa Gun seinen Entschluss, nicht fest bei Aggro Berlin zu unterschreiben, als goldrichtig. Aus den geschäftlichen Diskussionen mit den drei Aggro-Gründern hielt er sich damals ganz bewusst heraus, wenn es um finanzielle Angelegenheiten ging. Eine Entscheidung, die ihm laut eigener Aussage später eine Menge Ärger und Enttäuschungen erspart hat.
Mit der Zeit hätten viele Akteure im Haifischbecken der damaligen Rap-Industrie ihr „wahres Gesicht“ gezeigt. Da er vertraglich nicht gebunden war, konnte sich Alpa Gun von den späteren labelinternen Spannungen und Reibereien weitgehend fernhalten. Seine Geschichte liefert einen authentischen Einblick in eine der spannendsten Phasen der deutschen Rap-Historie und zeigt, dass geschäftliche Distanz manchmal der beste Schutz ist.

