Juju – Ghostwriting-Kritik – Frauen schreiben selbst!
Die deutsche Rap-Szene spricht wieder – und das liegt maßgeblich an einer ihrer prominentesten Stimmen: Juju . Die einstige SXTN-Frontfrau hat nach sieben Jahren erstmals wieder ein ausführliches Vide...

In einem neuen Interview kritisiert Juju den Mangel an Eigenständigkeit im Female Rap und betont die Wichtigkeit selbstgeschriebener Texte. Während sie Kolleginnen wie Shirin David respektiert, fordert sie eine klare Differenzierung zwischen Rappern und Ghostwriting-Projekten.
Die deutsche Rap-Szene spricht wieder – und das liegt maßgeblich an einer ihrer prominentesten Stimmen: Juju. Die einstige SXTN-Frontfrau hat nach sieben Jahren erstmals wieder ein ausführliches Videointerview gegeben und dabei im Podcast "Gib ma Feuer!" von Battlerap-Veteran SSYNIC tief blicken lassen. Es ging um ihr fulminantes Comeback, ihre Jugend in Berlin und natürlich die prägende Zeit mit SXTN. Doch ein Thema stach besonders heraus und sorgt für Gesprächsstoff: Die leidige Ghostwriting-Diskussion im Female Rap. Juju nimmt kein Blatt vor den Mund und teilt ihre ungeschönte Meinung, die einmal mehr zeigt: Authentizität ist King im Game.
Juju über Female Rap: Zwischen Respekt, Eigenleistung und Ghostwriting-Frage
In der aktuellen Folge von "Gib ma Feuer!" analysiert Juju den Zustand des Female Raps in Deutschland. Sie zollt vielen ihrer Kolleginnen großen Respekt und lobt ihren Einsatz: „Die meisten Rapperinnen finde ich eigentlich cool“, so Juju. Sie habe zudem den Eindruck, dass Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Pendants „viel mehr Mühe“ investieren würden. Namen wie Loredana, Sazou, Shirin David und badmómzjay fallen als positive Beispiele. Doch bei aller Wertschätzung gibt es für Juju einen entscheidenden Punkt, der eine uneingeschränkte Anerkennung erschwert: Das Thema Ghostwriting.
Juju spricht offen an, dass sie einigen Künstlerinnen nicht die vollen Props geben könne, da sie ihre Texte nicht selbst verfassen. „Es gibt ja nicht so viele Rapperinnen, die selber schreiben“, stellt sie fest. Dies sei zwar an sich kein Drama, erfordere aber eine klare „Differenzierung“. Als Beispiel nennt sie Shirin David, deren Texte im Vergleich zu anderen Rapperinnen „mit am besten“ seien. Doch hier müsse man die „Props an Laas oder ihre anderen Ghostwriter geben“, so Juju. Für die Berlinerin ist das eigene Texten ein fundamentales Element des Raps und ihrer Identität als Künstlerin.
„Ich finde schon, dass ich ziemlich gute Texte schreibe, und ich weiß ja auch, dass ich jeden einzelnen Text selber geschrieben habe [...] Keiner hat jemals meine Texte mitgeschrieben. Und darauf bin ich übertrieben stolz. Ich weiß auch, dass es krass ist, sonst würde sich ja auch nicht jeder selber schreiben lassen, um auf das gleiche Level zu kommen."
"44 ME": Das Manifest der Unabhängigkeit – Jujus Weg zur puren Vision
Jujus jüngstes Comeback-Album "44 ME" ist mehr als nur Musik – es ist ein Statement. Die Künstlerin hat bewusst den Weg der maximalen Eigenständigkeit gewählt. Im Gegensatz zu früheren Projekten, bei denen sie möglicherweise mehr externe Einflüsse zuließ, setzte sie diesmal auf eine radikale Reduktion: Eine Zusammenarbeit ausschließlich mit dem Produzentenduo Waterboutus, ansonsten keinerlei Input von außen. „Ich habe es niemandem gezeigt, nicht mal meinen Freunden. Ich wollte es wirklich nur für mich machen“, verrät Juju im Podcast.
SSYNIC hakte nach, ob ein solcher Alleingang bei einer Comeback-Platte nicht ein großes Risiko darstelle. Jujus Antwort ist eindeutig und zeugt von tiefem Selbstvertrauen: Es sei „im Endeffekt auch immer so“ gewesen. Externe Meinungen und Ratschläge würden sie nur ablenken und dazu führen, ihre eigene künstlerische Vision zu hinterfragen, obwohl sie von Anfang an eine präzise Vorstellung vom Sound ihrer Songs hat.
„Die Tipps, die man dann bekommt, die habe ich eh entweder nicht wahrgenommen oder sie haben nicht funktioniert. Deswegen dachte ich mir so: 'Okay, ich mache das jetzt einfach selber.' Und ich hatte keinen Bock auf dieses [...] Reinreden und dass man sich dann wieder Gedanken macht und so. Ich wollte es einfach so machen, wie ich es geil finde, und dann ist gut.“
Warum Jujus Haltung wichtig ist für die Rap-Kultur
Jujus Offenheit in der Ghostwriting-Debatte ist nicht nur ein persönliches Statement, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Diskussion über Authentizität und Handwerk im Hip-Hop. Gerade im Zeitalter, in dem die Grenzen zwischen Künstler und Produkt verschwimmen können, erinnert sie daran, wie zentral die eigene Feder für die Glaubwürdigkeit eines Rappers ist. Ihre Reise mit "44 ME" verdeutlicht zudem den Mut zur künstlerischen Unabhängigkeit und die Stärke, der eigenen Vision treu zu bleiben, selbst wenn dies bedeutet, unkonventionelle Wege zu gehen. Für BlackBeats.FM ist klar: Juju bleibt eine Künstlerin, die nicht nur musikalisch, sondern auch durch ihre klare Haltung immer wieder Akzente setzt und die Szene zum Nachdenken anregt.
Wer tiefgehender in Jujus Gedankenwelt eintauchen möchte, kann sich die vollständige "Gib ma Feuer!"-Ausgabe mit Juju anschauen. Das Thema Ghostwriting beginnt ab Minute 34:14. Ein Must-See für alle Fans von ehrlichem Rap und Black Music!
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