OG LU – Emotionales Statement zur 2-jährigen Kokain-Abstinenz
Von der BlackBeats.FM Redaktion – 02. Oktober 2026 OG LU: Zwei Jahre clean – Ein packendes Statement über Sucht, Heilung und die Hip-Hop-Community Triggerwarnung: Dieser Artikel thematisiert Sucht, Dr...

Die Frankfurter Rapperin OG LU feiert zwei Jahre Kokain-Abstinenz und reflektiert in einem emotionalen Statement ihre zwölfjährige Suchtgeschichte. Sie spricht offen über Jugendtraumata, die Verherrlichung von Drogen im Rap-Umfeld und ihren harten Weg zurück in ein gesundes Leben.
OG LU: Zwei Jahre clean – Ein packendes Statement über Sucht, Heilung und die Hip-Hop-Community
Triggerwarnung: Dieser Artikel thematisiert Sucht, Drogenkonsum und selbstverletzendes Verhalten. Dies kann auf einige Menschen retraumatisierend wirken.
Die Frankfurter Rapperin OG LU meldet sich mit einem zutiefst persönlichen und mutigen Statement auf Instagram zu Wort. Punktgenau vor zwei Jahren, am 02. Oktober, traf sie eine wegweisende Entscheidung: die Abkehr von Kokain. In einem ausführlichen Post gibt sie nun Einblick in ihre zwölfjährige Kokainsucht, den beschwerlichen Weg zur Abstinenz und die crucialen Erkenntnisse, die sie dabei gewonnen hat. Ein Statement, das weit über die Grenzen des persönlichen Erlebens hinausgeht und die Hip-Hop-Community zum Nachdenken anregen sollte.
Ein tiefer Blick in die Vergangenheit: Der Beginn einer zwölfjährigen Sucht
OG LUs Geschichte beginnt erschreckend früh. Bereits mit 15 Jahren, nach ersten Erfahrungen mit Alkohol und Cannabis, führte sie ihr Umfeld an das Kokain heran. Ein Milieu, in dem der regelmäßige Drogenkonsum in diesem Alter als "normal" galt. Doch der eigentliche Auslöser lag tiefer, wie sie selbst reflektiert: "starke Traumata" in ihrer Jugend. Was als selbstverletzendes Verhalten begann, mündete schließlich in exzessivem Drogenkonsum – eine Flucht, ein Versuch, nicht zu fühlen oder sich zumindest "besser" zu fühlen.
"Mein Körper hatte wenig Wert für mich, mentale und körperliche Gesundheit waren mir nicht wichtig. Ich hatte grenzüberschreitende Erfahrungen gemacht, die mir beigebracht hatten, dass es sowieso egal ist, was ich will oder nicht will. Ich nutzte Kokain, wie auch andere Drogen, um mich nicht mehr zu fühlen. Um mich besser zu fühlen. Um zu kompensieren."
Erschütternd ehrlich beschreibt sie, wie sie später ihren Konsum sogar verherrlichte, das "Nasen 'zu ballern'" auf Clubtoiletten als "richtig geil" empfand. Um die Sucht zu finanzieren, dealte sie selbst und bot die Droge Freunden an. Ein Verhalten, das sie heute mit Abscheu betrachtet: "Ich will nicht wissen, wie vielen Menschen ich ihren Erstkonsum verkauft oder angeboten habe."
Momentaufnahmen der Abkehr und die kalte Realität der Sucht
Es gab Phasen der Hoffnung, Momente des Nicht-Konsums. Mit 19 Jahren reiste OG LU alleine nach Thailand, begann mit Thaiboxen und schaffte es erstmals, über längere Zeit clean zu bleiben. Auch zu Beginn der COVID-Pandemie, aus Sorge um ihre Mutter, brach sie den Konsum ab. Doch das Heimkehren in das alte Frankfurter Umfeld, "in dem alle konsumierten und niemand das als problematisch ansah", zog sie immer wieder zurück in den Strudel. Bis Herbst 2024 ignorierte sie die Ernsthaftigkeit ihrer Sucht.
"Ich kannte kaum Leute, die es nicht machten, und wunderte mich nicht mal darüber. Ich hatte kein Bewusstsein für Sucht. Nicht dafür, dass Süchtige sich mit Süchtigen umgeben, damit sie nicht als süchtig auffallen [...] Ich verstand nicht, dass ich mich selbst anlog, indem ich mir sagte, ich sei frei, während ich einfach nur süchtig war."
Der Wendepunkt kam durch ihren jetzigen Partner. Er konfrontierte sie mit der Wahrheit, dass ihr glorifizierter Konsum alles andere als normal war. Anfängliche Skepsis wich einer tiefen Erkenntnis, als der Konsum kein gutes Gefühl mehr hinterließ. Der letzte Konsumtag war der Tiefpunkt: Das schlechte Gefühl war so immens, dass sie überlegte, ihren Partner zu belügen. In diesem Moment sah sie klar: "Da sah ich, dass mich die Droge im Griff hatte."
Ein Appell an die Community: Verantwortung und Bewusstsein
OG LU bereut zutiefst, dass sie aufgrund ihrer Sucht gefährliche Situationen und sogar Todesfälle in ihrem Umfeld ignorierte, um ihren Konsum aufrechtzuerhalten. Sie hat Übergriffe auf Partys miterlebt und gesehen, wie Menschen nach einer Überdosis wiederbelebt werden mussten. Doch "Trotzdem fand ich immer ein Schlupfloch, um Konsum zu rechtfertigen", gesteht sie. Ihr Statement ist ein Plädoyer für ein Ende des "Kults" um Drogenkonsum und eine Erinnerung daran, dass dieser nicht nur die eigene Gesundheit zerstört, sondern auch globales Leid durch Produktion und Handel verursacht.
"Passt auf euch auf. Passt auf eure Freund*innen auf. Es ist nicht cool, zu konsumieren. Es ist cool, nie damit angefangen zu haben oder damit aufzuhören."
OG LUs offene Worte sind ein wichtiger Beitrag zur Entstigmatisierung von Sucht in der Black Music Szene und darüber hinaus. Sie zeigt, dass Heilung möglich ist und dass Ehrlichkeit der erste Schritt dahin ist. Ein Vorbild, dessen Geschichte Mut macht und zum Nachdenken anregt.
OG LUs gesamtes Statement könnt ihr euch hier durchlesen:
Der Konsum von Kokain steigt in Deutschland seit Jahren stetig an. Laut Daten des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit hatten 2025 7,5 Prozent der 18- bis 25-Jährigen Kontakt mit der Droge. Zahlen der Barmer zufolge ist die Menge an Patienten mit der Diagnose Psychische- und Verhaltensstörung durch Kokain von 19.700 im Jahr 2013 auf 65.000 im Jahr 2023 gestiegen. Auch Abwasseranalysen und Polizeirazzien zeigen, dass immer mehr Kokain im Land ist. 2023 stellten Behörden 43 Tonnen der Droge sicher – sechs Jahre zuvor waren es lediglich acht Tonnen.
Wenn du oder jemand in deinem Umfeld an psychischen Problemen und/oder Suchtproblemen leidet, könnt ihr euch an diese Hotlines und Internetseiten wenden:
Hotline für Drogen- und Suchtberatung der BZgA: 01806/313031
Deutsches Rotes Kreuz: 06062/60776
www.telefonseelsorge.de: 0800 / 11 10 111

